Der dressierte Mann

Kordes,Schulte,Alschner,Hügelmeyer
Kordes,Schulte,Alschner,Hügelmeyer

 Zur Komödie: Der dressierte Mann

Bastian bereitet seinen Heiratsantrag vor:  5-Gänge-Dinner, Blumen und dazu Champagner, natürlich alles von ihm selbst arrangiert.

Doch ausgerechnet an diesem Abend verspätet sich seine Lebensgefährtin Helen. Sie ist auf der Karriereleiter nach oben befördert worden. Künftig ist sie Chief Executive Officer, kurz CEO, das ist genau die Karrierestufe, auf der Sebastian sich selbst gerne sehen würde. Das bedeutet Alarmstufe ROT, denn Helen hat sich zum Megagehalt auch noch auf 5 kinderlose Jahre verpflichtet. Beruflich zweite Geige und dazu Fortpflanzungsverbot? Bastian fragt sich, warum er nicht eine ganz normale Frau treffen kann. Denn: Da Helen selbst als Frau für ihren Wohlstand und fürs sichere Überleben sorgen kann, wozu braucht sie dann eigentlich noch einen Mann...?

Da erscheinen die beiden Mütter bzw. Schwiegermütter in spe auf der Szene: eine radikale Feministin, die Bastian alleinerziehend in einer Frauen-WG groß gekriegt hat und eine Frau Doktor, deren Doktortitel ihrer erfolgreichen dritten Ehe mit einem Zahnarzt entspringt. Trotz aller Gegensätze stricken beide  Mütter sehr pragmatisch und rigoros eine neue männerverträgliche Identität für Helen...

 Zu Esther Vilar und zum Stückhintergrund:

Esther Vilar drehte in ihrem Buch“ Der dressierte Mann“ die Thesen  von Alice Schwarzer zur Unterdrückung der Frau einfach um und erhitzte damit 1975 bei einem Fernsehduell mit Alice Schwarzer die Gemüter der Öffentlichkeit: mitten in der Aufbruchsstimmung der Frauenbewegung behauptet sie, dass die Frau den Mann mit weiblichen Tricks quasi zum Sklaven dressiert und ihn zum Geldverdienen schickt. Als Gegenleistung dient die Frau dem Mann mit Beischlaf und Fortpflanzung.

Esther Vilar „entlarvt“ so ihre Geschlechtsgenossinnen. Sie ist in der Folge eine Art erste „Männerrechtlerin“ und macht sich damit Feinde.

Die fulminante humorvolle Komödie von John von Düffel setzt Vilars bösartig-charmante Thesen theatralisch um und bringt den Zuschauer dazu, sich auf amüsante Weise mit den Geschlechterrollen auseinanderzusetzen:                                                                                                                                          

  Wozu braucht die Frau den Mann, wenn sie selbst finanziell unabhängig ist? Sind nahezu gleiche Einkommenssituationen für Mann und Frau 2016 zur Realität geworden? Auch 2016 haben die Gedanken zum Geschlechterverhältnis nichts an Streitkraft eingebüßt, denkt man an die Frauenquote oder die Herdprämie...