Tatort - Schauspielerin begeistert in Hünerbeins Posthotel

Foto: Stefanie Preuin
Foto: Stefanie Preuin

 

NOZ vom 14.Sept  Stefanie Preuin

Mit Schwung, Witz und Charme bot Eva Mattes in Hünerbeins Posthotel in Bissendorf-Schledehausen „Ihr persönlichstes Programm“ dar – am Klavier begleitet von Irmgard Schleier, die auch Informationen zu den Liedern lieferte. Dem humorvollen, gleichermaßen nachdenklichen Ausflug in 40 Jahre Film- und Fernsehgeschichte folgten die Gäste im voll besetzten Saal begeistert.

Polizeiliche Ermittlungen gab es an diesem kurzweiligen Abend zum Glück nicht, vielmehr konnte man Eva Mattes‘ schauspielerisches Leben kennenlernen. Angelika Rothe, Organisatorin des KuBiss, kündigte an: eine bedeutende Frau, ein kulturelles Highlight und eben nicht nur Klara Blum aus dem Tatort.

Die Bühne tauchte in blaues und rotes Licht und es ertönte das Titellied der Pippi-Langstrumpf-Serie. Keck schaute dann auch Eva Mattes hinter dem Vorhang hervor und legte sogleich los. „Ich war die Synchronstimme von Pippi, sonst lieh ich meine Stimme kleinen Jungs, dem Timmy aus der Fernsehserie Lassie zum Beispiel“, plauderte Eva Mattes über ihre Anfänge.

In Senta Bergers Badewanne

Humorig trug Eva Mattes ihren Makel vor. Ihr „S-C-H-Fehler“ verleitete ihre Familie oftmals zur Frage, wo sie denn später gerne hin möchte: „Zur Schauspielschule“, sagte Mattes belustigt und brachte so auch das Publikum in Schwung. Schon mit 15 Jahren landete sie auf der großen Kinoleinwand – und in Senta Bergers Badewanne. „Ich war geblendet von Senta Bergers Schönheit, in Michael Verhoeven war ich verliebt“, erinnerte Eva Mattes in ihrem Buch „Wir können nicht alle wie Berta sein“. Im Antikriegs- und Skandalfilm „o.k.“ von Michael Verhoeven wurde sie in die Isar geworfen, mit Ochsenblut beschmiert, durfte sich aber anschließend in Senta Bergers Badewanne aufwärmen und bekam Tee mit Rum von der großen Schauspielerin. „Im Stern gab es später einen Bericht über die Dreharbeiten mit einem Foto von mir, wie ich gerade aus dem Wasser auftauche. Unter dem Bild stand: „Keine Schönheit, aber ein schauspielerisches Urvieh“, so las Mattes selbstironisch vor.

Lieder von Marlene Dietrich und Hans Albers

Mal sanft, dann derb sang Eva Mattes Lieder von Marlene Dietrich und Hans Albers. Mattes und Irmgard Schleier präsentierten nicht nur das temperamentvolle „Auf der Reeperbahn“, sondern auch nachdenkliche Töne wie „Und über uns der Himmel“. „Das erste Lied, welches von den Alliierten in den Nachkriegsjahren freigegeben wurde. Auch ein Lied für die heutige Zeit“, erklärte Irmgard Schleier.

Nicht ohne Tatort

Der Tatort durfte trotz des umfangreichen Engagements in Film, Fernsehen und Kulturpolitik nicht fehlen. Mattes offenbarte einen weiteren Makel: ihre Knallphobie. Die Phobie gehe so weit, dass der Regisseur nicht mal „Schuss“ rufen darf, wenn jemand während des Tatortdrehs schießt. Er rufe „Butterblume“, erzählte Eva Mattes unterhaltsam. Die Zuschauer waren begeistert und entließen die Schauspielerin nicht ohne Zugaben.