Für viele eine Premiere: Dichterwettstreit auf Plattdeutsch

NOZ
NOZ

ng Bissendorf. Ein literarisches Kräftemessen der ganz besonderen Art gab es am Freitag im Bürgersaal beim 1. Bissendorder Plattdeutsch-Poetry-Slam. Sieben Poeten traten bei dem Dichterwettstreit mit ihren Beiträgen auf „Plattdüütsch“ gegeneinander an.

„Der Mensch, das Mikrofon und in der Hauptrolle das gesprochene Wort bilden die Kunstform des heutigen Abends“, erläuterte Moderator Uwe Schwindt vom Heimat- und Wanderverein Bissendorf, der den Dichterwettstreit zusammen mit dem Kulturverein Bissendorf (KuBISS) organisiert hat. Bewertet wurden die Beiträge von einer Jury aus sieben freiwilligen Mitgliedern. Der Künstler mit der höchsten Punktzahl wurde am Ende des Abends als Sieger des 1. Bissendorfer Plattdeutsch-Poetry-Slams gekürt.

Eine Premiere für fast alle

Nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die meisten Zuschauer war der Poetry Slam auf Plattdüütsch eine Premiere, und so wurde die Vorgehensweise zunächst einmal geprobt, bevor der tatsächliche Wettstreit begann. Antje Langenberg stellte sich als erste und außerhalb der Wertung dem Publikum. Der Beitrag wurde dann mit einer Punktzahl zwischen 1 und 10 bewertet und das Publikum spendete entsprechend Applaus, was Uwe Schwindt zur Erheiterung aller in den verschiedenen Abstufungen mit den Zuschauern probte.

Schließlich ging der Plattdeutsch-Poetry-Slam dann in die erste Runde und Ulrich Göwert aus Eggermühlen machten den Anfang mit seinem Beitrag „Kien Tied“, in dem er über das bekannte Problem der Rentner sprach, die durch die Arbeit in Vereinen und Gemeinderäten, Volkshochschulkurse, Wanderfahrten und vielen anderen Aktivitäten einfach keine Zeit haben. Frank Niermann aus Glandorf brachte das Publikum mit seinem plattdeutschen Dialog zwischen Thea und Hannes über weihnachtliche Gedichte und Poesie zum Lachen und erhielt dafür eine besonders hohe Punktzahl. Anne Gosejacob aus Osnabrück gab zwei Geschichten zum Besten über seltsame Geräusche in der Nacht und die Sorgen eines Vierjährigen, der befürchtet, dass der Osterhase wegen des Schneeregens die Eier nicht trocken unterbringen konnte.

Wie ein Stand-Up-Comedy-Auftritt

Nach der Pause nutze der Bissendorfer Karl Heinz Schröder seinen Heimvorteil und erheiterte sein Publikum mit Geschichten aus alten Zeiten. Dafür zog er punktemäßig mit Frank Niermann gleich. Johannes Eidt nahm sich für seinen Auftritt die Gitarre zur Hilfe und sang „Ein Lied für seine Freunde“, das bei dem ein oder anderen für Gänsehaut sorgte. Helmut Broxtermann aus „Ossenbrügge“ legte dann eine Performance hin, die einem Stand-Up-Comedy-Auftritt glich, und lehrte seine Zuhörer nicht nur Grundlagen der Mengenlehre, sondern sprach auch über aktuellere Themen wie die Bundestagswahl 2017. Damit konnte er sein Publikum so überzeugen, dass er mit 63 Punkten die höchste Wertung des Abends bekam. Auch Renate Berger aus Bohmte, die über ihre Erfahrungen mit Datingplattformen im Internet sprach, konnte ihm den ersten Platz nicht mehr streitig machen. Broxtermann, der schon seit über 60 Jahren mit seiner plattdeutschen Kunst auf der Bühne steht, freute sich über seinen Sieg und gab noch ein kurzes Gedicht zum Besten. Uwe Schwindt und Angelika Rothe vom KuBISS äußerten sich begeistert über das hohe Niveau der Beiträge und lobten die „gelungene Veranstaltung“.