Anne Koch - Gosejacob

Sommer
bäuchlings im Gras
eins mit der Erde
lauschen dem Summen
emsiger Bienen
flatternde Falter
azurblauer Himmel
hoch oben die Lerche
trillert ihr
Lied
endlose Tage
fröhliche Menschen
lange Gespräche
in sternklarer Nacht
Softeis zum Frühstück
Baden im Waldsee
so ist der Sommer
wie ich ihn
mag                                 

  Der Duft des Todes

Die kleine malerische Burg aus dem späten Mittelalter war umgeben von einem breiten, gefüllten Wassergraben, auf dem einige Enten lebten. Diesen tiefen Graben mussten Eroberer – oder heutzutage Einbrecher – überwinden, wenn sie an der uneinsehbaren Rückfront in das Gebäude eindringen wollten.

Doch sie hatte es geschafft. Unbemerkt war sie über die schmale vorgebaute Terrasse und weiter durch die offenstehende Tür herein gekommen, schaute sich ein wenig um und versteckte sich dann hinter der dichten, bunt gemusterten Übergardine, die vor der breiten Fensterfront des Schlafzimmers hing und den hohen Raum in ein diffuses Licht tauchte.

Auf dem breiten Bett, das mit einem weißen Leinentuch bedeckt war, lag ein nackter Mann und wälzte sich unruhig im Schlaf hin und her. Vielleicht hatte er einen Albtraum, sah sich einen steilen Abhang hinunterfallen oder in einem reißenden Fluss ertrinken.

Wahrscheinlicher aber war, dass ihm die extreme Wärme im Zimmer zu schaffen machte, obschon er sich nicht mit dem zweiten Leinentuch zugedeckt hatte, das ordentlich zusammengefaltet zu seinen Füßen lag. Auch die weit geöffnete Tür brachte keine Erleichterung, da in dieser schwülen, warmen Sommernacht kein einziger kühler Lufthauch von draußen hereinwehte.

Sie dagegen mochte die Wärme und nachdem sie für ein paar Minuten zur Ruhe gekommen war, tauchte sie leise hinter der bodenlangen Übergardine auf und betrachtete den braunen, gut durchtrainierten Körper des Mannes. Ein dünner feuchter Film lag auf seiner Haut, hing wie winzige Perlen an den vielen feinen Haaren seines Körpers, der leicht nach Schweiß und Herrenparfum roch. Ein herrlicher Duft, der sie magisch anzog. Sie konnte nicht mehr warten. Es musste geschehen...Jetzt! Sofort!

Fast lautlos kam sie zum Bett, setze sich auf ihn und stach zu.

Der Mann schrak auf. Schlug nach ihr! Der Schlag war so heftig, dass sie von ihm herunter fiel, blutend auf dem weißen Betttuch lag und ohne noch einen Ton von sich zu geben starb.

Im Halbschlaf hatte der Mann ihr leises Sirren vernommen, war sofort hellwach geworden und beförderte die arme kleine Mücke in die ewigen Jagdgründe.